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Frag nicht jeden Morgen, was sein wird,
der Abend gibt dir früh genug die Antwort.
(
aus: »Im Fallen fliegen lernen«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Abschied von fremden Orten zu nehmen fällt nicht schwer,
wenn du deine eigene Welt in dir trägst.
(aus: »Aphorismen«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Wer sich wie ein Fähnchen dreht,
sollte vorher feststellen,
in welche Richtung der Wind weht.
(aus: »Mit Rückenwind«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Erst, als ich am Boden lag,
nahmt ihr mich wieder wahr -
beim Herunterschauen.
(aus einem Manuskript)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Hervorgehoben zu werden bedarf einiger Anstrengungen.
Sich zurückzunehmen kann zum Kraftakt werden.
(aus: »Mit Rückenwind«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Die aufrechte Haltung nützt dem nichts,
der sich nicht aufrecht halten kann.
(aus: »Mit Rückenwind«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Es ist nicht genug, das Gewünschte zu haben,
man muss es sich auch erlauben können.
(aus: »Mit Rückenwind«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Das Wiedersehen hat mich wieder sehend gemacht.
(aus: »Schatten, länger als wir«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Aufs Kreuz legen
ist nicht reine Männersache.
(aus: »Schatten, länger als wir«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Hauptsache die Löcher sind zu;
rote Socken mit grünem Garn gestopft.
(aus: »Ehrlich gesagt«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Anstatt weiße Westen
haben zu viele Politiker volle Hosen.
(aus einem Manuskript)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Das Elend greift nach der Flasche,
die Freude zum Glas.
(
aus: »Neue deutsche Aphorismen. Eine Anthologie«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Nach ihrer Flucht aus Ostpreußen wuchs Edith Linvers von 1945 bis 1952 in Schwanewede/Bremen auf; seit 1952 wohnt sie in Recklinghausen. Bis 1998 war sie als Verwaltungsangestellte im Kulturamt der Stadt Recklinghausen tätig.
Mitgliedschaften:
NLGR (Neue Literarische Gesellschaft)
VS (Verband deutscher Schriftsteller)
DAphA (Deutsches Aphorismus-Archiv), Hattingen
Preise:
Lyrikpreis der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes 2000
Alfred Müller-Felsenburg-Preis 2002 für aufrechte Literatur, Hagen 2002
Unselbständige Veröffentlichungen über Person und Werk: G. Schnettler-Gedicht im Brigitte Verlag, Hamburg 1994,
sowie verschiedene Rezensionen.
Als er sich die Ecken abgeschliffen hatte,
war er rund.
(aus: »Ehrlich gesagt«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
In den Zeiten des Schweigens
wachsen den Gedanken Flügeln.
(aus: »Ehrlich gesagt«)
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Das Leben hat eine Leidenschaft:
Es sammelt Erinnerungen,
verstaut sie auf dem Boden der Tatsachen,
sortiert ein jedes Jahr nach Platz und Wert.
aus: »Aphorismen«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Auf dem Gipfel
schützt Bodenhaftung vor dem Absturz.
aus: »Ehrlich gesagt«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Auf dem geraden Weg zu bleiben
bedeutet manchmal nicht die Kurve zu kriegen.
aus: »Mit Rückenwind«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Nichts verkauft sich besser
als die Illusion vom Gewinn.
aus: »Neue deutsche Aphorismen. Eine Anthologie«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Die Vergangenheit kann der Rost
auf den Ketten der Zukunft sein.
aus: »Ehrlich gesagt«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Das Denken und das Fühlen
sind wie ein zänkisches Paar.
aus: »Mit Rückenwind«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
In der Jugend wird aus Berechnung gelogen,
im Alter aus Bequemlichkeit.
aus: »Neue deutsche Aphorismen. Eine Anthologie«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Der Weg zur Aufrichtigkeit ist beschwerlich.
Man erreicht das Ziel erst mit gekrümmtem Rücken.
aus: »Mit Rückenwind«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Auch das feinste Netz
besteht vorwiegend aus Löchern.
aus: »Ehrlich gesagt«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Irrtümer einzusehen, braucht meist nicht lange.
Sie zu ertragen, eine halbe Ewigkeit.
aus: »Aphorismen«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Wenn auch die Lotusblüte sich
rein und schön dem Licht öffnet,
stecken doch ihre Wurzeln im Sumpf.
aus: »Mit Rückenwind«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Man macht mehr wegen seiner Mitmenschen
als für sie.
aus: »Neue deutsche Aphorismen. Eine Anthologie«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Der Glaube weist die Richtung.
Für das Ziel tragen wir selbst die Verantwortung.
aus: »Mit Rückenwind«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Dem Dasein einen Sinn zu geben,
ist jedes Leben lang genug.
aus: »Aphorismen«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Bei dem Versuch mich zu finden
verlor ich dich.
aus: »Aphorismen«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
Als seine Mitmenschen ihm nicht mehr glaubten,
erfuhr er die Wahrheit -
über sich selbst.
aus: »Aphorismen«
© Edith Linvers
deutsche Schriftstellerin und Aphoristikerin, * 1940
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