Asepsis:
Es gibt eine Art keimfreies Lachen,
die direkt krank macht.
(aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Gewisse Frager können selbst
den ehrlichsten Menschen in Verlogenheit bringen.
(aus: »Gedanken-Sprünge«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Lektoren brauchen nur alles besser zu wissen;
Autoren hingegen müssen es besser machen.
(aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Der deutsche Stammtisch hat eine Schwester bekommen - die Talkrunde.
Nun präsentieren sich beide sozusagen als Geschwister mit beschränkter geistiger Haftung.
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Kleider machen Leute,
Verkleider ein Vermögen.
(aus: »Die dritte Seite der Medaille«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
So nahe beieinander -
der moralische Zeigefinger und der unmoralische Daumen.
(aus: »Gedanken-Sprünge«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Die Kunst der Könner
ist trotz allem nichts
ohne die Gunst der Gönner.
(aus: »Die dritte Seite der Medaille«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Ich bin eine äußerst widersprüchliche Eigenschaft, sagt der Ehrgeiz.
Je mehr ich fresse, desto hungriger werde ich.
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Der Lorbeerkranz ist ein paar Nummern zu groß für ihn geraten.
Nun blickt er überhaupt nicht mehr durch.
(aus: »Die dritte Seite der Medaille«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Wie manche Leute leben,
so haben sie noch nie gearbeitet.
(aus: »Die dritte Seite der Medaille«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Weil er sich einen schlechten Namen gemacht hatte,
legte er sich ein gutes Pseudonym zu.
(aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Ein handfester Skandal ist ein Ärgernis,
welches unendlich viele Menschlein überglücklich macht.
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Wenn Ruhe die erste Bürger-Pflicht ist,
muss Unruhe das erste Recht des Bürgers sein.
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Die auf der Sonnen-Seite
gönnen denen auf der anderen
oft nicht einmal den Schatten.
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Aus der Wolle der schwarzen Schafe
werden nur allzu gern populistische Legenden gestrickt.
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Ob der Unterschied zwischen
Stammtisch-Politikern und Politiker-Stammtisch
wirklich so groß ist?
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Gerd W. (Wolfgang) Heyse könnte man auch Gerd E. (Erfurt) Heyse nennen. In Erfurt wurde er 1930 geboren, hier ging er zur Schule und in die Wirtschaftstreuhänder-Lehre, hier war er viele Jahre als Helfer in Steuersachen und ab 1988 als freiberuflicher Schriftsteller tätig. Vor allem aber ist er unendlich viel in der Welt herumgekommen.
Als Gedankenreisender.
Seit einem halben Jahrhundert erfreut er, Prosa und Lyrik nicht zu vergessen, vor allem mit seinen geschliffenen Aphorismen die Leserschar. Nachzulesen in vielen Büchern, Anthologien - und wieder und wieder, tausendfach, in der Thüringer Allgemeine, deren treuer Autor dieser scharfsinnige, sanfte Mann ist. Unermüdlich und kundig pflegt er das Anderthalb-Wahrheiten-Genre...
Die Hölle der Heuchler:
Sie müssen unentwegt ihre wahre Meinung sagen.
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Manche möchten am liebsten beides auf einmal:
Vorschuß
und Lorbeeren.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
So manchem, der gern auf die Pauke haut,
möchte man am liebsten das Trommelfell über die Ohren ziehen.
aus: »Kurz und scherzhaft«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Am konsequentesten wird
Inkonsequenz betrieben.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Am Abend soll man abschalten.
Wie? - Man schaltet an.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Der lachende Dritte
ist oftmals nur aus Verzweiflung lustig.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Gesagt, getan.
Und wieder einmal nicht gedacht.
aus: »Neue deutsche Aphorismen. Eine Anthologie«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Der Pessimist ist insofern Optimist, als er hofft,
daß es noch ärger kommt, als er orakelt.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Die Arroganz der Macht sollte man nicht verurteilen,
ohne den Hochmut der Schwäche gleichermaßen schuldig zu sprechen.
aus: »Der Narr in uns«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Vom Verlierer verlangen wir die Fairness,
welche der Gewinner nie und nimmer aufzubringen bereit wäre.
aus: »Der Narr in uns«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Am bequemsten kommst du
mit einem Allgemeingewissen durch die Welt.
aus: »Der Narr in uns«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Dass man doch immer wieder die Falschen wählt!
Oder existieren womöglich gar keine Richtigen?
aus: »Der Narr in uns«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Das ist die wahre Freiheit nicht,
die man Menschen zudiktiert.
(aus: »Der Narr in uns«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Eine gute Leitung
bringt auch eine schwache Birne zum Glühen.
aus: »Gedanken-Sprünge«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Bücher haben ihre Geheimnisse.
Für mich bleibt das größte Geheimnis,
wie das eine oder andere Buch überhaupt entstehen konnte.
aus: »Die dritte Seite der Medaille«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
ARROGANZ:
Hochgezogene Augenbrauen
herabgezogene Mundwinkel
dazwischen absolut
NICHTSSAGENDES.
aus: »Die dritte Seite der Medaille«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Ein Blick hinter das Feigenblatt
lohnt sich mitunter wirklich nicht.
aus: »Gedanken-Sprünge«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Am teuersten wird Weihnachten
von den Gottlosen gefeiert.
aus: »Gedanken-Sprünge«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Klappentexte:
Manche Bücher reißen ihre Klappen ein bißchen zu weit auf.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Die einen müssen gefördert,
die anderen brauchen nur gefordert zu werden.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Ich schreibe Aphorismen,
weil ich möglichst viel sagen möchte,
erklärte der Aphoristiker.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Als Gläubiger muss man
ganz besonders fest an seine Schuldner glauben.
aus: »Der Narr in uns«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Ein Computer kann das menschliche Gehirn nicht ersetzen.
Engstirnigkeit kann unmöglich simuliert werden.
aus: »Der Hund des Nachbarn bellt immer viel lauter«
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
Hätte ich ja auch nicht.
Wenn es nach mir ginge.
(
aus: »Neue deutsche Aphorismen. Eine Anthologie«)
© Gerd W. Heyse, auch: Ernst Heiter
deutscher Schriftsteller und Aphoristiker, *1930
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